2006

Nachdem weitere Metastasen festgestellt wurden, kam erst einmal wieder der freie Fall! Diese Diagnose nahm mich mehr mit als die der Brustkrebserkrankung. Metastasen lassen sich nicht wegschneiden, man wird nie als geheilt angesehen. Und wie viele Menschen gibt es mit Metastasen? Nicht sehr viele….

Einer befreundeten Familie verdankte ich es, dass ich in Mannheim einen Termin beim dortigen Chefarzt der Radiologie vereinbaren konnte. Davor lagen bereits einige Arztbesuche, die mich von der vorgeschlagenen Therapie nicht überzeugten. Die Aussage von Dr. Wenz: “An Metastasen stirbt man so schnell nicht”, verleihten mir wieder Zuversicht und Hoffnung. Genau so einen Satz hatte ich gebraucht, um wieder nach vorne zu blicken.

Ich fuhr täglich nach Geschäftsschluss - inzwischen hatte ich den Laden nicht nur vormitags, sondern an 3 Nachmittagen in der Woche geöffnet - zur Post und dann gleich weiter nach Mannheim, um dort bestrahlt zu werden. Fast immer kam ich recht pünktlich dran und war dann gegen 20.00 Uhr wieder zu Hause. Dort wartete auf mich der gedeckte Tisch zum Abendessen. Müdigkeit, Hautprobleme…., von allem blieb ich verschont.

Am 8. April, einen Tag nach der letzten Bestrahlung, stand ich auf meinem Stand beim Stoffmarkt Holland in Karlsruhe! Der 2. Stoffmarkt in Eppelheim im Juni 2006 lies den Wunsch nach einer Handarbeitsmesse in meiner Umgebung wachsen. Mitte des Jahres fingen die ersten Planungen an.

Zu diesem Zeitpunkt kam auch unser Sohn wieder wohlbehalten nach Deutschland zurück. Sein Praktikum, das er für seine Studienbewerbung zu absolvieren hatte, ermöglichte ihm die Erstellung der Homepage und der Werbeträger für unsere erste Handarbeitsmesse in Remchingen.

Im September 2006 belud ich einen Sprinter mit Regalen, Tischen und Stoffen und fuhr damit nach Aachen zum Kongress der Hobbyschneiderinnen. Natürlich hatte ich wieder viel zu viel mitgenommen! In Aachen selbst halfen mir zahlreiche Hobbyschneiderinnen (nebst Ehemann) beim Auf- und Abbau und beim Verkauf. Es war ein wunderbares, unvergessliches Wochenende. Ganz besonders die Heimfahrt, da mir das geliehene Fahrzeug kurz nach Bonn den Dienst verweigerte. Meine Begleiterin Michaela und ich blieben ruhig und gelassen und harrten der Dinge! Vom ADAC abgeschleppt, holten uns zwei Hobbyschneiderinnen ab und brachten Michaela zum Bahnhof, mir boten sie ein Nachtlager an. Am späten Nachmittag konnte ich dann meinen Weg nach Hause fortsetzen.

Am 21. November 2006 verunglückte Michaela bei der Fahrt zur Arbeit tödlich. Mit ihr hatte ich mich über Brustkrebs unterhalten, über das Leben und was danach kommt. Und von einem Augenblick zum anderen ist sie nicht mehr unter uns.

 



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